Stehen wie ein Baum
Die Qigong – Form „Stehen wie ein Baum“ oder auch „Stehen wie eine Kiefer“ ist die Grundform aller weiteren Qigong – Bewegungen.

Daoisten betrachten den Menschen als Bindeglied zwischen Himmel und Erde.

Wie die Wurzeln des Baumes verbinden wir uns über unsere Füsse mit der Erde, finden einen Platz im Leben, geben uns Halt. Die Beine als Stamm des Baumes verleihen uns Stabilität und Festigkeit. Über den Atem verbinden wir uns mit der Leichtigkeit des Himmels und spüren am höchsten Punkt unseres Körpers, dem Scheitel, das kraftvolle Licht des Himmels über uns. Atem und Licht nähren unseren Organismus, so wie das Licht einen wichtigen, nährstoffgewinnenden Prozess in den Blättern des Baumes auslöst, so wie der Atem als der Wind in den Blättern des Baumes wahrgenommen werden kann.

Ein Baum – kraftvoll und sanft, flexibel und doch beständig, anpassungsfähig und doch standhaft.

Eine Kiefer  – überlebend auf kargem Untergrund, den unwegsamsten Bedingungen trotzend, immer hoffnungsvoll grün.

Ausdauernd, beständig und doch untergeben dem steten Wandel, sich verändernd und doch einzigartig.

All diese Eigenschaften können wir im Praktizieren des „Stehens wie ein Baum“ für uns selbst erlernen.

 

8 Brokate
Die 8 Brokate sind wohl die bekannteste Form der Qigong – Bewegungen.

Wahrscheinlich sind die 8 Brokate die ältesten Übungen des Yangsheng (mit der Kulturrevolution in China umbenannt in Qigong) zur Pflege unserer Lebensenergie.

168 v.Chr. wurden  bei  archäologischen Ausgrabungen in Mawangdui daoistische Bilder mit Leibesübungen gefunden, die der Gesunderhaltung dienen sollten.

Diese Bilder weisen eine sehr grosse Ähnlichkeit mit den heute bekannten Übungen der 8 Brokate auf.

Je nach „Schule“ wurden sie traditionell gepflegt,  verändert  oder weiterentwickelt.

Obwohl alle Formen des Qigong der Förderung und Erhaltung von Gesundheit dienen, finden die 8 Brokate im medizinischen Kontext oft sehr grosse Beachtung. Sie sind für unsere Gesundheit und ein langes Leben ebenso wertvoll, wie der wertvollste aller Stoffe: Brokat.

5 Elemente / die Wandlungsphasen
Die Elemente-Übungen verbinden uns mit den universellen Gesetzmässigkeiten – dem unabänderlichen Zyklus der Natur – dem unendlichen Kreislauf von Werden und Vergehen.

In der daoistischen Betrachtungsweise ist ein langes, gesundes Leben nur möglich, wenn sich der Mensch in die von Natur aus gegebenen Umstände einfügt. Wir sind Teil dieser Welt – wir können sie nicht beherrschen. Alles, was der Mensch beherrschen kann, ist sein eigenes Wesen indem er seine Fähigkeiten und Emotionen erkennt, kultiviert nd lebensdienlich nutzt – sowohl für sich, als auch für seine Mitmenschen. So wie die Elemente miteinander in Beziehung stehen, so steht auch der Mensch mit andern und seinem eigenen Wesen in Beziehung.

Jedem Element (Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall) sind bestimmte Qualitäten zugeordnet, die wir im Jahreskreis, den zyklischen Phasen der Natur, den menschlichen Charakteren und Seins-Zuständen wiederfinden.

In den Elemente-Übungen entdecken wir diese Qualitäten. Sie ermöglichen uns einen bewussteren Umgang mit uns selbst und verändern unser Wesen zu mehr Achtsamkeit.

Taiji – Qigong
Praktizieren wir Qigong im Sinne der medizinischen Aspekte von Gesundheitsförderung und –erhaltung, liegt unsere Aufmerksamkeit im Meridiansystem, der Atmung, im Stehen wie ein Baum oder dem Nähren unseres Geistes, indem wir uns mittels unserer Vorstellungskraft angenehmen Naturbildern widmen.

All diese Aspekte finden auch im Taiji – Qigong ihre Bedeutung, im Vordergrund jedoch die Verbindung zu den Kampfkünsten.

Im Taiji – Qigong kultivieren wir neben Atmung, Körper und Vorstellungskraft hauptsächlich unser Feingefühl, unsere Sensitivität, wir gewinnen an mentaler und physischer Stärke, erlangen Gelassenheit und Vertrauen in unsere Fähigkeiten.

Fast schon automatisch erlernen wir aufgrund des Praktizierens des Taiji – Qigong Situationen für uns richtig und frühzeitig einzuschätzen, zweckmässig vorauszuschauen und lebensdienlich zu handeln mit Rücksicht, Respekt sowie gegenseitiger Wertschätzung. Wir lernen uns zu schützen und doch nach Aussen hin offen zu bleiben.

Besonders die Taiji – Qigong Formen verleihen uns innere Ruhe vereint mit äusserer Stärke.

„Du musst nicht kämpfen, um zu siegen“                                                                                                            (Bernhard Moestl / Shaolin / ISBN: 978-3-426-64566-6)